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Vereinsfahrt 2014 oder wie man sein Wochenende auch verbringen kann


Feldbahn im Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf
Dampflokparade im Lokschuppen
Erzgebirgsbahn
Zughotel Wolkenstein
Wir vor dem Zughotel in Wolkenstein
Unser Zug von Vejprty bis Chomutov
Schnellzug der Tschechischen Bahn
Teil der Speisekarte
Unser Zug ab Karlovy Vary.
Diesellok beim Umsetzen in Johanngeorgenstadt
Auch in diesem Jahr gab es wieder den Wunsch nach einer Vereinsfahrt. So trafen sich bei mittelprächtigem Wetter Samstag den 16.08. 2014 unser Reiseleiter und -organisator Dietmar, Klaus, Guntram, der eine Heiko, Micha, Thomas, Konni und meine Wenigkeit kurz nach 8:00 Uhr am Bahnhof Jena West.
Pünktlich um 08.23 Uhr war Abfahrt. Bereits 4 Minuten später standen wir am Einfahrtssignal Göschwitz. Auf Grund von Bauarbeiten stand im Bahnhof nur ein Gleis von und nach Gera zur Verfügung. Der andere Heiko wollte in Göschwitz zusteigen und konnte unseren Zug schon vom Bahnsteig aus sehen. Das war aber auch alles und so fragte er bei uns telefonisch an ob unser Zug denn kaputt sei oder was. Wir waren inzwischen durch das Zugpersonal informiert worden das der Gegenzug erst abzuwarten sei, dieser aber einige Minuten Verspätung hätte und so konnten wir Heiko beruhigen. Durch diese Verzögerung handelten wir uns allerdings schon am Anfang unserer Reise eine 15 minütige Verspätung ein. Nachdem unsere Reisegruppe komplett war ging es weiter. Ab Neue Schenke war der Baufortschritt des 2-gleisigen Ausbaus der Mittedeutschlandverbindung gut zu sehen. Dort stehen schon einige neue Brücken allerdings neben der eigentlichen Bahntrasse. Angesichts der gewaltigen Bauwerke kann man sich kaum vorstellen, dass diese nach Fertigstellung eingeschoben werden. Aber den Bayrischen Bahnhof in Leipzig hat man für den Bau des Citytunnels auch mal schnell zur Seite geschoben. Heute ist eben alles möglich. Über Gera und Gößnitz ging es weiter. Als wir zu unserer Vereinsfahrt 2013 hier vorbei kamen standen Sportanlagen und Kleingärten meterhoch unter Wasser. Doch davon war nichts mehr zu sehen. Anders als im Fahrplan angekündigt mussten wir in Glauchau nicht umsteigen, sondern konnten bis Chemnitz Hbf durchfahren. Bei einer geplanten Umsteigezeit von 6 Minuten aber immer noch 15 Minuten Verspätung sahen wir unseren Anschluss nach Chemnitz-Hilbersdorf in Gefahr. Dort wollten wir das sächsische Eisenbahnmuseum besuchen. Aber als wir - nach einer endlosen Diskussion ob man mit Bus, Bahn oder gar zu Fuß weiterreisen sollte - in Chemnitz Hbf ankamen, stand unser Zug nach Chemnitz-Hilbersdorf am Nachbarbahnsteig und wartete. Wie immer lösen sich die meisten Probleme von selbst. In Hilbersdorf angekommen begann es auf dem Weg zum Museum zu regen. Doch es war nur ein kurzer Schauer und so konnten wir das Museum auch ohne Regenschirm besichtigen. Eigentlich war laut Internet an diesem Wochenende auf der im Museum beheimateten Feldbahn "Fahrtag". Doch außer zwei in der Werkstatt hantierenden Leuten war zunächst nicht viel zu sehen. Auf unsere Nachfrage warum die Feldbahn denn heute nicht fährt, bekamen wir die kurzangebundene Antwort "Wetter". Auf weitere Nachfrage hieß es dann "vielleicht in einer halben Stunde". Bis dahin streiften wir durch das Gelände und begutachteten die abgestellten Eisenbahndrehkräne, Güterwagen und andere Exponate. Die Ausstellung einer Modellbahnanlage der Spur 1 war geschlossen. Zurück an der Feldbahn wurden eine Diesellok und zwei offene Loren zum Mitfahren bereitgestellt. Der eine Heiko erzählte dass er schon einmal dagewesen sei, was den ziemlich missmutig gelaunten Mitarbeiter dazu veranlasste zu sagen “Normalerweise sage ich was über Feldbahnen aber das lassen wir heute mal weg. Wenn Ihr Fragen habt fragt euren Kollegen” und zeigte auf Heiko. Er erwähnte noch, dass im Museum demnächst Heizhausfest sei und dass man eigentlich für die noch anstehenden Aufgaben zu wenige Leute hätte. Angesichts des umherstehenden Materials und der in den Lokschuppen untergebrachten Fahrzeuge würde wahrscheinlich sogar Herkules ins Schwitzen kommen. Ob derartige Museen mit nur einer Handvoll Enthusiasten und geringer oder keiner finanziellen Unterstützung auf Dauer überleben können bleibt abzuwarten.
Da wir nach 3 Stunden so ziemlich alles gesehen hatten, beschlossen wir das von Dietmar herausgesuchte Zusatzangebot - eine Fahrt mit der Fichtelbergbahn - wahrzunehmen. Und so ging es 13:34 Uhr ab Hilbersdorf über Flöha bis nach Cranzahl. Dort hatten wir 20 Minuten Zeit um uns ein wenig umzuschauen und 15:21 Uhr ging es weiter. Ca. 1 Stunde windet sich die Schmalspurbahn durch das Erzgebirge bis hinauf nach Oberwiesenthal. Oben angekommen musste eine knappe halbe Stunde hier für ein paar Fotos, Kaffee und Kuchen oder Bockwurst und Bier reichen. Denn bereits 16:50 Uhr fährt der letzte Zug talwärts. Unsere letzte Etappe an diesem Tag endete 18:29 Uhr in Wolkenstein. Als wir am Nachmittag auf unserer Fahrt nach Cranzahl durch Wolkenstein fuhren, hatten wir das Zughotel schon gesehen. Auf den Gleisen der ehemalige Ladestraße die nicht mehr ans Schienennetz angeschlossen sind, stehen 6 D-Zugwagen. Ehemalige Schlaf- und Liegewagen ein Salonwagen u. a. Waggons. Ein Waggon dient als Küche ein anderer als Restaurant und ein dritter als Bar der im hinteren Teil sogar einen Kiosk für den Straßenverkauf beherbergt. Die restlichen Wagen sind für die Übernachtung vorgesehen und haben meist noch einen Gemeinschafts- oder Fernsehraum sowie Abteile die zu Dusch- und WC Kabinen umgebaut worden sind. Für Eisenbahnverrückte genau die richtige Herberge. Bei einem leckeren Abendessen im Zugrestaurant ließen wir den Abend ausklingen. Das abendliche Zähneputzen war noch eine kleine Herausforderung da es laut ausliegender Hausordnung in den Abteilen kein Wasser gibt. Bei dem in der Duschkabine aus dem Wasserhahn tröpfelnden Rinnsal sah ich die morgendliche Dusche schon in Gefahr. Doch eine sofort durchgeführte Druckprüfung an diesem Hahn ergab ein befriedigendes Ergebnis. Nachdem man sich in den kleinen Abteilen beim Hinaufklettern in das obere Bett erst mal den Kopf gestoßen hat, stellt sich das Nachtlager als gemütlich und bequem heraus. Zum Einschlafen fehlte eigentlich nur das Schaukeln und das Tammtamm Tammtamm der überfahrenen Schienenstöße. Später erzählte der eine Heiko, mein Mitbewohner im Abteil Nr. 5, etwas von einer rauschenden Wasserleitung und einer Feuersirene. Ich verbrachte jedoch eine ruhige und erholsame Nacht.

Anders als bei Schlafwagen üblich, wachten wir am nächsten Morgen wieder in Wolkenstein auf. Die am Abend getestete Dusche stellte sich als brauchbar heraus, allerdings nur bis in der Nachbarkabine ebenfalls die Dusche angestellt wurde. Die Wassertemperatur veränderte sich rapide ( in welche Richtung kann sich jeder selber denken ). Nach einem ausgiebigen Frühstück streiften wir noch über das ehemalige Bahnhofsgelände. Die Bahnhofsgebäude sind inzwischen in privaten Besitz und zu Miet- oder Ferienwohnungen umgebaut. Von den alten Gleisanlagen ist nichts mehr zu sehen und der Verlauf nur noch zu erahnen. Konni und der andere Heiko kamen zu der Erkenntnis man müsste die alten Fotos und Filme noch einmal heraussuchen. 9:24 Uhr begann unsere Reise an diesem Tag. Auch hier gab es eine Fahrplanänderung und so mussten wir in Vejprty umsteigen. Da unser Thüringenticket ab hier nicht mehr gültig war, kaufte Thomas sehr zum Erstaunen anderer Mitreisender, während unseres kurzen Aufenthaltes mit eigens dafür mitgebrachten Kronen neue Fahrkarten. Für umgerechnet 5,- € (statt 16,- € wenn man die Fahrkarten am Automaten in Deutschland kauft - deswegen auch die ungläubigen Gesichter) ging es weiter. Bis Chomutov stand ein Triebwagen mit Beiwagen Tschechischer Bauart bereit. Um das Motorengeräusch zu umgehen nahmen wir den Beiwagen. Das hin und her schwanken des Gefährts ließ auf die Gleislage schließen. Trotzdem wurde eine hohe Geschwindigkeit gefahren die erstaunlich manchmal sogar beängstigend war. Und der Hinweis "Nicht Hinauslehnen" war angesichts der in das Lichtraumprofil ragenden Sträucher und Äste ein guter Rat.
Dass wir und die Außenspiegel des Triebwagens in Chomutov noch heil waren grenzte an ein kleines Wunder. Während dieser Fahrt und auch später sahen wir, dass hier Waldsterben und Umweltverschmutzung noch ein Thema sind. Wahrscheinlich sind die Kohlekraftwerke die wir später in einiger Entfernung sahen die Auslöser dafür. Nach einem kurzen Aufenthalt in Chomutov ging es 11:55 Uhr mit einem Schnellzug der Tschechischen Bahn über eine kurvenreiche Strecke bis nach Karlovy Vary. Unterwegs standen Fotografen - dem Autokennzeichen nach sogar aus dem Burgenlandkreis - an der Strecke . Vor Eisenbahnverrückten ist man halt nirgendwo sicher. 12:46 Uhr kamen wir in Karlovy Vary oberer Bahnhof an. Ein kurzer Fußmarsch durch einen Park und über die Eger brachte uns in die Innenstadt, wo wir eine Lokalität zum Mittagessen suchten. Eine solche war schnell gefunden und natürlich isst man in Tschechien Knödel. Die Speisekarte war in Tschechisch und Deutsch, doch die Übersetzung des Gerichts "Lammfilet mit Preiselbären" löste einige Heiterkeit aus. Vom unteren Bahnhof ging es dann mit einer Tschechische Diesellok und 3 Beiwagen der schon bekannten Triebwagengarnituren - wir hatten den letzten Wagen für uns allein - weiter. Die außerdem auf der Strecke eingesetzten Züge, die uns als Gegenzüge entgegen kamen, waren ein tschechischer Triebwagen moderner Bauart und ein Triebwagen der Baureihe 642. Somit hatten wir “Glück” und konnten mit einer fast schon historischen Zuggarnitur reisen. In Johanngeorgenstadt angekommen nutzten wir einen kurzen Aufenthalt für einen Kaffee und beobachteten noch die Rangierbewegungen. Mit einer Rauchentwicklung, die einer Dampflok zur Ehre gereicht hätte, wurde die Diesellok umgesetzt und wieder in Richtung Karlovy Vary bereitgestellt. 16:29 Uhr fuhren wir dann mit einem Triebwagen der Baureihe 642 bis Zwickau. Auch hier waren die Anschlüsse pünktlich und 18:03 Uhr ging es mit der S-Bahn in Richtung Halle. Ein letztes Mal Umsteigen in Gößnitz - bei 3 min Umsteigezeit ist eine sportliche Einlage hilfreich - und pünktlich wie die Eisenbahn kamen wir 19:37 Uhr in Jena an, wo unser erlebnisreiches Wochenende seinen Abschluss fand.
Olaf Seide
   
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